
Kennst du das? Der Tag ist vollgepackt, die To-do-Liste wird länger statt kürzer, und irgendwann merkst du: Du atmest kaum noch richtig. Flach, schnell, angespannt. Dein Körper steckt im Stressmodus – und das hat weitreichendere Folgen, als die meisten ahnen.
Stress ist eine der größten Herausforderungen beim Abnehmen und für eine ausgewogene Ernährung. Am Stress selbst können wir nicht immer etwas ändern – aber an unserem Umgang damit schon. Und genau hier hilft ein Ansatz, der oft unterschätzt wird: richtig atmen bei Stress.
Stress verändert deine Atmung – unbewusst
Wenn wir gestresst sind und unter Druck stehen, verändert sich unser Atemmuster oft ganz unbewusst. Statt tief und gleichmäßig zu atmen, wird unser Atem:
- flach
- schnell
- durch den Mund
- in den oberen Brustkorb
- von häufigem Seufzen unterbrochen
Diese Stressatmung aktiviert den Sympathikus – den Teil deines Nervensystems, der dich in Alarmbereitschaft versetzt und den Kampf-oder-Flucht-Modus einschaltet. Das ist ein uraltes Schutzprogramm unseres Körpers, das uns in echten Gefahrensituationen schützt – im modernen Alltag aber häufig dauerhaft aktiv bleibt, obwohl gar keine echte Bedrohung vorhanden ist.
Wenn dein Körper ständig in Alarmbereitschaft ist, fällt es dir schwerer, bewusst zu essen, auf echte Hunger- oder Sättigungssignale zu achten – oder liebevoll mit dir selbst umzugehen. Dein Nervensystem sucht nach einem Ausgleich. Oft in Form von Essen.
Richtig atmen: So beruhigst du dein Nervensystem
Die gute Nachricht: Du kannst deinen Körper aktiv aus dem Stressmodus holen – und zwar durch bewusstes Atmen. Denn durch die Atmung kannst du gezielt den Parasympathikus aktivieren – also den Teil deines Nervensystems, der für Ruhe, Entspannung und Regeneration zuständig ist.
Was hilft:
- durch die Nase atmen, nicht durch den Mund
- tief in den Bauch atmen (Zwerchfellatmung)
- die Ausatmung länger machen als die Einatmung
- den Atem ruhig wahrnehmen, ohne ihn zu kontrollieren
Je ruhiger, langsamer und bewusster du atmest – idealerweise durch die Nase und mit längerer Ausatmung – desto schneller bringst du dein Nervensystem wieder in Balance. Das senkt dein Stresslevel, verbessert deine Konzentration und hilft dir, im Alltag klarer und gelassener zu reagieren.
Wie stressresilient bist du? Der BOLT-Score zeigt’s
Ein guter Indikator dafür, wie gut dein Körper aktuell mit Stress umgehen kann, ist der sogenannte BOLT-Score (Body Oxygen Level Test). Er misst deine CO₂-Toleranz und gibt dir Hinweise darauf, wie effizient dein Atemsystem arbeitet.
Je niedriger dein BOLT-Wert, desto schneller reagierst du auf Stress mit flacher, unruhiger Atmung – was auch deine Reizbarkeit, dein Energielevel und sogar dein Essverhalten beeinflusst. Ein höherer BOLT-Score dagegen steht für mehr Gelassenheit, bessere Sauerstoffversorgung und eine stabilere innere Balance.
Selbstcheck: So machst du den BOLT-Score-Test
Der Test dauert weniger als eine Minute und geht ganz einfach:
- Setze dich ruhig hin und atme 2–3 Mal entspannt durch die Nase ein und aus.
- Atme dann ganz normal aus – nicht besonders tief – und halte die Luft an.
- Zähle innerlich die Sekunden.
- Halte die Luft nur so lange an, bis du das erste klare Verlangen verspürst, wieder einzuatmen (z. B. ein leichtes Zucken der Bauchmuskeln oder den Impuls zum Einatmen).
- Atme danach ruhig durch die Nase weiter.
Die gezählten Sekunden sind dein BOLT-Score.
Was sagt dein BOLT-Wert aus?
- unter 10 Sekunden → sehr niedrige CO₂-Toleranz, oft bei hohem Stress oder sehr flacher Atmung
- 10–20 Sekunden → verbesserungswürdig – häufig bei chronischer Anspannung
- 20–30 Sekunden → gutes Atembewusstsein, mittlere Resilienz
- über 30 Sekunden → hohe CO₂-Toleranz, gute Regenerationsfähigkeit und Stressresistenz
Das Schöne: Deinen BOLT-Wert kannst du verbessern! Mit täglicher Nasenatmung, verlängertem Ausatmen oder einfachen Übungen zum sanften Luftanhalten kannst du schrittweise deine Stressresistenz und innere Ruhe stärken – ganz nebenbei im Alltag.
Atemtechnik gegen Stress: Die Boxatmung
Neben dem BOLT-Score gibt es auch viele konkrete Atemübungen, die dir helfen, in stressigen Momenten schnell zur Ruhe zu kommen. Eine besonders wirkungsvolle Technik ist die Boxatmung (auch Box Breathing oder 4-4-4-4-Atmung genannt):
- 4 Sekunden einatmen (durch die Nase)
- 4 Sekunden Luft anhalten
- 4 Sekunden ausatmen (durch die Nase oder den Mund)
- 4 Sekunden Pause (bevor du wieder einatmest)
Wiederhole das 4–6 Mal. Diese Technik wird sogar von Elitesoldaten und Spitzensportlern eingesetzt, um in Hochdrucksituationen einen klaren Kopf zu behalten – und sie funktioniert wirklich. Du kannst sie morgens zur Vorbereitung, in der Mittagspause oder abends zum Runterkommen einsetzen.
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